Motorrad Rückspiegel – Vorschriften, E-Prüfzeichen und Kauftipps
Ein Rückspiegel am Motorrad ist kein optionales Extra – er ist Pflicht und muss gesetzliche Anforderungen erfüllen. Wer einfach irgendwas montiert, riskiert Ärger bei der nächsten Kontrolle. Hier erfährst du, worauf es ankommt, was das E-Prüfzeichen bedeutet und wie du den richtigen Spiegel für dein Bike findest.
Was ist das E-Prüfzeichen – und warum ist es Pflicht?
Jeder Rückspiegel, der legal am Motorrad montiert werden soll, muss ein E-Prüfzeichen tragen. Es bestätigt, dass der Spiegel nach den Vorschriften der EU geprüft wurde und alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Du erkennst es auf der Rückseite des Spiegels – ein kleines Icon mit Buchstaben und Zahlen:
Buchstabe + Zahl im Kreis
Kennzeichnet das Genehmigungsland (z. B. E1 = Deutschland)
Buchstaben oberhalb
Bezeichnen die zugrundeliegende Regelung (ECE-R 81)
Zahl unterhalb
Gibt die individuelle Genehmigungsnummer an
Kein E-Prüfzeichen = nicht straßenzulässig. Ausnahme: Ein Teilgutachten ermöglicht eine TÜV-Eintragung – aber das kostet Zeit und ist nicht garantiert.
Gesetzliche Anforderungen an Motorrad-Rückspiegel (ECE-R 81)
Einstellbar
Spiegel müssen in der Neigung verstellbar sein.
Abgerundete Kanten
Gehäusekanten müssen abgerundet sein – keine Verletzungsgefahr.
Konvexe Spiegelfläche
Pflicht für ein ausreichend weites Sichtfeld.
Sicherheitsglas
Nur aus Sicherheitsglas gefertigt – splitterfrei bei Bruch.
Mindestfläche
Spiegelfläche mindestens 69 cm².
Maße rund
Außendurchmesser 94 – 150 mm bei runden Spiegeln.
Maße eckig
Muss in einen Kreis mit 78 mm Durchmesser passen, max. 120 × 120 mm.
Biege- und schlagfest
Pflicht – der Spiegel muss mechanischen Belastungen standhalten.
Wie viele Rückspiegel sind Pflicht?
| Erstzulassung | Vorschrift |
|---|---|
| Vor dem 01.01.1990 | 1 Rückspiegel links außen ausreichend |
| Ab 01.01.1990, bis 100 km/h | 1 Rückspiegel links oder rechts ausreichend |
| Ab 01.01.1990, über 100 km/h | 2 Rückspiegel verpflichtend |
Warum zwei Spiegel immer besser sind
Vorteile von zwei Rückspiegeln
- Sicheres Überholen durch vollständige Übersicht über den Nachfolgeverkehr
- Weniger toter Winkel – besonders in der Stadt und auf Landstraßen
- Rückwärtseinparken in engen Bereichen deutlich einfacher
- Mehr Sicherheit – auch wenn gesetzlich nur einer vorgeschrieben ist
Worauf du beim Kauf achten solltest
E-Prüfzeichen
Nicht verhandelbar – immer zuerst prüfen, bevor du kaufst.
Materialqualität
Entscheidet über Bildschärfe, Verzerrungsfreiheit und Langlebigkeit.
Einstellbarkeit
Muss aus der sitzenden Position optimal justierbar sein.
Größe & Form
Aerodynamisch, zum Bike passend – aber nie zu klein. Kleine Spiegel sehen cool aus, bieten aber zu wenig Sichtfeld.
Originale Rückspiegel beim Tausch immer aufbewahren – für den Fall, dass der neue Spiegel doch nicht passt oder abgenommen werden muss.
Metorbike und Rückspiegel
Alle Metorbike-Modelle werden ab Werk mit zugelassenen Rückspiegeln ausgeliefert, die das E-Prüfzeichen tragen und der ECE-R 81 entsprechen. Wer sein Metorbike individualisieren möchte, sollte beim Spiegelwechsel trotzdem auf das Prüfzeichen achten – auch bei Aftermarket-Teilen im Retro- oder Bar-End-Stil gibt es zertifizierte Optionen.
Fazit
Der Rückspiegel ist kein Accessoire – er ist sicherheitsrelevantes Pflichtequipment. Das E-Prüfzeichen ist dabei die wichtigste Kennzeichnung überhaupt. Wer beim Kauf darauf achtet und die gesetzlichen Mindestmaße einhält, ist auf der sicheren Seite – optisch und rechtlich. Und: Zwei Spiegel sind fast immer die bessere Wahl, auch wenn einer reichen würde.





